Wenn die Zeit die Wunden nicht heilt …..

Tausendfach fühlen wir uns in unserem Leben getroffen, aufgebracht oder erschüttert. Fast täglich sind wir beleidigt, erschrocken oder zornig. „Schlaf doch mal drüber“ heißt es dann. Wir kommen über den Schreck hinweg, der Ärger verfliegt irgendwie oder die Wut verraucht.stachel Die Frage. „Ärgerst Du Dich noch, dass Dir letzte Woche jemand den letzten Parkplatz vor dem Kino vor der Nase weggeschnappt hat?“ wird oft mit: „Nein, das habe ich schon vergessen“ beantwortet. Die Wut ist körperlich nicht mehr spürbar, irgendwie verflogen. Vielleicht können wir uns über den Vorfall sogar amüsieren.

In unserem Gehirn haben wir eine kleine Stress Alarmglocke so groß wie ein Mandelkern, die Amygdala. Sie ist bei Bedrohung oder Belastung für den so genannten Adrenalinstoß und die Ausschüttung von Stresshormonen zuständig.
Wenn sich dieses Alarmglöckchen wieder beruhigt hat „verfliegt“ die Emotion, die Erinnerung hingegen kann durchaus erhalten bleiben.

So können wir in unserem Leben jede Menge Lernerfahrungen machen, ohne immer verkrampfter zu werden. Immer wieder pendeln wir uns auf unser seelisches Gleichgewicht ein. Das ehemals stressende Erlebnis wirkt  mit der Zeit verschwommen, entfernt und ist uns nicht mehr nahe. Es wird „integriert“, so lautet der psychologische Fachbegriff.

Francine Shapiro, eine US amerikanische Psychologin, vergleicht diese seelischen Blessuren mit kleinen täglichen Verletzungen, z.B. dem Dornenstich einer Rose. Es blutet, tut weh – aber nicht ein Leben lang. Schon im Moment der Verletzung wissen wir, dass der Schmerz ein vorübergehender sein wird.

Manchmal laufen unsere seelischen Heilungsprozesse nicht wie gewohnt von alleine ab. Als wichtiger Zeitpunkt der Verarbeitung wird die Traumphase des Schlafes mit ihren schnellen Augenbewegungen diskutiert. Wird der seelische Stachel in dieser Remphase (Rapid Eye Movement) nicht „gezogen“ und bleibt in der Wunde stecken hinterlässt er einen emotionalen Phantomschmerz der Seele.

Mittels der wingwave Intervention, wie sie auch von uns im stress expresscoaching angewendet wird, lassen sich diese schnellen Augenbewegungen im Wachzustand nachahmen und führen zu einer deutlichen Steigerung der Souveränität in vormals als kritisch empfundenen Situationen.

Es ist so eine Sache mit unseren Alarmglöckchen. Es leitet zwar bedrohliche Sinnesreize innerhalb kaum einer Sekunde an unsere grauen Zellen, den so genannten Cortex oder Denkhirn, weiter, lässt sich aber umgekehrt von diesem nur sehr ungern etwas sagen.
Denken wir doch einmal an unser Kaufverhalten: Mit unserem Verstand wissen wir, dass wir uns die Schuhe im Sonderangebot nicht mehr leisten können. Aber die Emotionen übertönen den eifrig warnenden Verstand und wir „schreien vor Glück“. Die Kreditkarte wandert über den Tisch und der Verstand wundert sich später über die volle Einkaufstüte.

(abgewandelt aus wingwave coaching, Wie der Flügelschlag eines Schmetterlings.
Cora Besser-Siegmund und Harry Siegmund. Jungfermann Verlag 2012)

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